Im Interview: Covid-Beauftragter Thomas Kornetzki

Über zweieinhalb Jahre war er der Ansprechpartner für Covid-Fragen und Maßnahmen beim SC Hohenems und nun hat er sein Amt niedergelegt. Thomas Kornetzki, oder auch „Dr. Covid“ wie ihn viele im Verein genannt haben, blickt dabei auf eine sehr bewegte Zeit zurück. Wir haben uns mit ihm getroffen und ihn zu seiner Zeit als Covid-19-Beauftragter befragt.

Redaktion: Thomas, vor über zwei Jahren kam das Thema Covid auf und du hast dich dem Thema angenommen. Was waren die größten Herausforderungen als Covid-Beauftragter?

Thomas: Erst einmal musst ich mich, wie viele andere auch, in die Thematik einarbeiten, da ja über die Krankheit nicht viel bekannt war und auch die gesetzlichen Maßnahmen am Anfang eher einem Suchspiel nach den richtigen Maßnahmen geglichen haben. Die Einarbeitung gelang allerdings sehr schnell, was dem SC Hohenems den Vorteil verschaffte, dass wir schnell und maßnahmenkonform reagieren konnten. Es war nicht immer einfach, denn gerade auch zu Beginn der Pandemie gab es viele Gegner von Maßnahmen und vor allem vergaßen die Menschen oftmals, das nicht ich die Maßnahmen erstelle, sondern nur für deren Umsetzung sorgen muss, um einen Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

Redaktion: Das war sicherlich nicht immer ganz einfach, denn gerade am Anfang gab es ja fast täglich neue Vorgaben.

Thomas: Das stimmt. Gerade war das erste Paket der Regierung veröffentlicht und die Maßnahmen für den Verein abgeleitet, da konnte das Präventionskonzept komplett umgestellt und auf die neuen Maßnahmen ausgerichtet werden.

Redaktion: Wie haben die Vereinsmitglieder reagiert?

Thomas: Wie gesagt, nicht alle fanden es spaßig und konnten sich mit den laufend verändernden Maßnahmen anfreunden. Ich musste, gerade zu Beginn der Pandemie, teilweise stark durchgreifen und habe auch das eine oder andere ungute Gespräch gehabt, aber im Gesamten haben sich die Vereinsmitglieder sehr gut an die Maßnahmen gehalten.

Redaktion: Wie oft musstest du in den zwei Jahren die Vorgaben anpassen?

Thomas: (lacht) Im ersten Jahr war es eine fast tägliche Anpassung, da sich keiner wirklich auskannte und auch die Fachleute sich nicht einig waren. Im späteren Verlauf hat sich das ein wenig relativiert, aber wir sind leider nicht mit einem Konzept durch die Zeit gekommen. Wenn ich auf meinen Computer schaue, so finde ich an die 26 Konzepte und Adaptierungen.

Redaktion: Wow, das ist eine Menge. Wie ging es dir mit so viel Arbeit um den Spielbetrieb am Laufen zu halten?

Thomas: Nun, wie gesagt es war nicht jeder im Verein freundlich, was die Maßnahmen anbelangte. Teilweise wurde ich persönlich angegriffen und ich musste in meiner Funktion erst lernen, dass ich als Mensch gar nicht gemeint war, sondern sich die Wut der Menschen eigentlich gegen den Kurs der Politik richtete. Auch aus der Liga kamen immer wieder Anfeindungen, da ich doch sehr engmaschig gearbeitet habe und alles notwendig unternahm um den Spielbetrieb in allen Klassen zu ermöglichen. Aber wie gesagt, mit der Zeit konnte ich damit umgehen und es gab nur ein „entweder oder“ für den Verein. Die Zeit war sehr kräfte raubend und hat mich sicherlich auch die eine oder andere Nacht gekostet, da ich nicht wusste, was die Politik nun wirklich für uns bereithält.

Redaktion: Der Spielbetrieb in den unteren Klassen wurde eingestellt und auch für die 1. Mannschaft gab es Spielpausen. Lag das an Infektionen im Verein?

Thomas: Nein. Die Sportler und Sportlerinnen waren  sehr kooperativ und haben die Maßnahmen auch mitgetragen, da sie wussten, dass diese zu ihrem Schutz sind. Die Entscheidung in den unteren Spielklassen der VEHL und VEHD (Anm. d. Redaktion: VEHL = Vorarlberger Eishockey Liga,  VEHD = Vorarlberger Eishockey Liga Damen) einzustellen, war eine Verbandsentscheidung des VEHV, der wir uns fügen mussten. In der ÖEL hat der ÖEHV die Federführung und wurde in Wien und mit dem Liga-Rat entschieden, ob und wie gespielt wird.

Redaktion: Mit der Zuerkennung der Zugehörigkeit zum Spitzensport wurde, zumindest für die 1. Mannschaft, alles leichter?

Thomas: Es war ein hartes Ringen, dass die ÖEL dem Spitzensport zugeordnet wird und da haben eine Menge an Menschen daran gearbeitet und dafür gekämpft. Aber mit dem Status des Spitzensportes war es nicht unbedingt leichter, denn es mussten teilweise zusätzliche Auflagen erfüllt werden.

Redaktion: Was waren das für Auflagen?

Thomas: Nun, die Spieler mussten z. B. ein Gesundheitstagebuch führen, sich regelmäßig vor den Trainings und Spielen  testen, wurden im Verein regelmäßig getestet und auch im Stadion mussten wir Maßnahmen treffen, die sich an der Gesundheit der Sportler und Sportlerinnen ausrichteten. Stellenweise war es den Spielern der 1. Mannschaft, aus Gründen der Sicherheit, sogar untersagt das Clubheim zu betreten. Das waren dann doch schon einschneidende Maßnahmen.

Redaktion: Du hast nun das Amt des Covid-Beauftragten zurückgelegt. Warum?

Thomas: Die zweieinhalb Jahre waren für mich und auch andere sicherlich sehr lehrreich. Aber was dabei vergessen wird ist die Tatsache, dass so eine Funktion sehr viel Zeit, sehr viel Kraft und auch letztlich Substanz kostet. Für die Politik war das Ganze schnell mit der Installation von Covid-Beauftragten delegiert und erledigt, aber die Arbeit an der Basis, die teilweise verwirrenden Aussagen und Vorgaben der Politik, die Reaktion der Menschen und auch damit verbunden die Attacken aus dem Umfeld des Vereins haben mich zu dem Entschluss gebracht, dass zweieinhalb Jahre Covid-Beauftragter reichen.

Redaktion: Wie hat der Verein darauf reagiert, dass du dein Amt niederlegst?

Thomas: (lacht) Na unser Obmann hat erstmal ein Feuerwerk gezündet. Nein im Ernst, es gab großen Dank und Anerkennung aus den Reihen des Vorstandes, aber unser Obmann war nicht begeistert. Dennoch versteht er und die Vorstandskollegen mich und ich denke für einen Nachfolger, sofern es den brauchen sollte, eine gute Vorarbeit geleistet zu haben.

Redaktion: Was wirst du nach deiner Zeit als Covid-Beauftragter machen?

Thomas: Erst einmal werde ich alles für mich abschließen und das Kapitel auch zuschlagen. Sicherlich ist, durch die tägliche Beobachtung der Entwicklung bei Covid, ein starkes Interesse an den Maßnahmen vorhanden, sowie an der Entwicklung, aber das werde ich nach und nach ablegen und dann wieder der „Korno“ sein, den alle kennen.

Redaktion: Wie siehst du deine Zukunft im SC Hohenems?

Thomas: Da ist einiges möglich, aber sicherlich nicht mehr alles. (lacht) Im Moment möchte ich dazu noch nichts sagen, denn die Gespräche und Planungen mit dem Obmann laufen.  Letztlich muss der Verein entscheiden wo er mich sieht und ich dann schauen, ob das mit meiner Ausrichtung konform geht.

Redaktion: Du bleibst dem Verein also erhalten?

Thomas: So oder so. Wenn nicht so, dann so. (lacht)